Endurance Day 2005

Der längste Tag 2005 - und dennoch viel zu kurz!
So könnte man sagen. Obwohl die harten Wetterbedingungen den Tag ..... und vor allem die Nacht 2005 noch viel länger erscheinen ließen! Die über 100 Teams und über 400 Fahrer beim BABOONS Endurance Day 2005 in Neiden/Torgau hatten viel zu kämpfen, aber kaum einer wird wohl auch nur eine Sekunde dessen, was er hier erlebt hat, wieder hergeben wollen.

Hart war es diesmal, wesentlich härter als im letzten Jahr! Und schuld daran hatte das Wetter. Bereits am Samstagmorgen zogen dicke Wolken auf, und einige Zeit vor dem Start öffnete der Himmel dann seine Schleusen. Zuerst wurde der Regen fast schon mit Freude gesehen, würde er doch den Staub auf der Strecke etwas binden. Zum Start war dann die Strecke aber schon bestens gewässert, und der Regen wollte nicht weniger werden.

Dennoch schwangen sich die Reiter pünktlich um 17 Uhr in den Sattel, um den "längsten Tag" zu bestreiten. Es regnete aber noch bis spät in die Nacht hinein, und die harten Bedingungen forderten dann auch ihre Opfer. Vor allem in der PrestigeClass, in der die kompletten 24 Stunden auf nur einer Maschine gefahren werden mussten, gab es viele Ausfälle. Dazu aber mehr im ausführlichen Bericht.

Gekämpft haben sie auf jeden Fall alle, ob Platz 93 oder 3!

PrestigeClass
Neben vielen Teams in der Sportsclass, waren beim BABOONS Endurance Day 2005 auch 14 Teams in der PrestigeClass am Start. Das heißt, dass jeweils nur eine Maschine die 24-Stunden-Tortur aushalten musste, oder sollte. Entsprechend waren natürlich auch die Teams und Maschinen dieser Klasse vorbereitet. Worauf sie sich jedoch nicht vorbereiten konnten, war der Regen, der wenige Stunden vor dem Start einsetzte und bis weit in die Nacht hinein immer stärker wurde. Schlamm, Spurrillen und aalglatter Untergrund auf den Betonflächen, das setzte den Fahrern natürlich zu. Die Maschinen kämpften mit kochenden Kühlern, überhitzenden Motoren, nachlassenden Kupplungen und vor allem mit dem schlammigen Brei, der bis ins letzte Lager vor drang und dort die Arbeit einer hochwertigen Schleifpaste vollbrachte.

Aber zuerst zum Start, wo alles noch halb so schwer aussah. Zwar hatte es sich bereits eingeregnet, als die 110 Teams an den Start gingen, aber der sandige Untergrund in Neiden/Torgau konnte schon gut Wasser vertragen. So ging es auch gleich nach dem Startschuss richtig zur Sache. Simo Kirssi übernahm mit der BMW HP 2 die Führung, dicht gefolgt von einem Rudel leichter Sportenduros. Noch war die Strecke im besten Zustand, wenn auch rutschig, und es wurde bereits in der ersten Runde heiß gekämpft.

Das Tempo war allgemein sehr hoch, und der nasse, schlammige Boden gab schnell nach. Bereits nach kurzer Zeit wurden die Rillen tiefer, die Wasserlöcher mehr, und die Strecke verwandelte sich nach und nach in ein einziges Waschbrett. Mit Einbruch der Dunkelheit verstärkte sich der Regen, und die Maschinen wurden bis aufs letzte belastet.

Gut 10 Stunden nach dem Start erwischte es dann auch das erste Team. Die Maschine des Team R+P KTM Sturm ertrug die Tortur nicht mehr und quittierte den Dienst, Reparatur unmöglich und damit Ende. Zwischenzeitlich kam auch schon die erste Überraschung auf. Team Green-Dunlop-International schob sich nach und nach immer weiter nach vorne und bedrängte bereits die Spitze. Hatte Kawasaki-Dunlop den Endurance Day 2004 noch als „Betriebsausflug“ genutzt, so wollten sie dieses Jahr zeigen dass „die grünen Frösche“ auch beißen können. Zuerst setzte sich aber das Favoritensterben fort. Das Team Husaberg Deutschland Light musste nach gut 13 Stunden mit völlig überhitzter und beschädigter Maschine aufgeben. Eine Stunde später erwischte es dann auch die BMW HP 2. Der allgegenwärtige Schlamm hatte einen dicken „Wärmeschutzmantel“ um den Motor gelegt, und ganz ohne Kühlung gibt auch der beste Motor irgendwann den Geist auf. Zuerst fiel die BMW vom 4. Platz zurück und wurde dann ganz aus dem Rennen genommen. Die zweite BMW im Rennen, eine von Touratech aufgebaute BMW F 650 Oryx trotzte dagegen den wiedrigen Umständen und donnerte bis zum Schluss über den Race Track. Fast ganz ohne Probleme zogen zwischenzeitlich die „Grünen“ ihre Runden und holten sich die Führung.

Platz 1 hieß es am Ende für das Team Green-Dunlop-International und Platz 2 für das Team Green-Dunlop-National mit 99, bzw. 92 Runden. Mit nur einer Minute Rückstand kam dann schon das KTM-GST Berlin Racing Team auf den dritten Platz. Auf Platz 4 zeigte Sherco mit dem Sherco Enduro xtiim Team Flagge gefolgt von der Touratech Oryx die über die komplette Distanz „donnerte“.

Natürlich waren in der Klasse auch Teams wie Die Husky-Schinder oder die "Psychologischen Scheffschädel" am Start, denen es weniger um den Sieg, als vielmehr um „das blanke Überleben“ ging. Aber auch sie kämpften sich fleißig über die 24 Stunden und zeigten eine tolle Leistung.

SportsClass: Ihr seid verrückt - so sah's der Zuschauer
„Ihr seid verrückt,“ das war das Einzige, was mir einfiel, als es bei der Anreise nach Torgau rund 1 Stunde vor dem Ziel anfing zu Regnen. Der Himmel versprach auch keine Besserung – zumindest nicht mehr Heute! Eigentlich hätte ich ja selbst an den Start gehen sollen/wollen, aber dass unser Team dann nicht zustande gekommen war, ist eben eine andere Geschichte. Jetzt als „Profi-Zuschauer“ konnte ich mir aber schon ausrechnen was mich erwartet.

Dass es dann aber vor Ort so viele Hunde sein würden, darauf wäre ich in meinen kühnsten Träumen nicht gekommen – da hatte der geschäftstüchtige Betreiber des Geländes selbiges gleich zweimal vermietet – was zu Lasten der Länge der Gesamtstrecke ging, aber den Teilnehmern fiel das nicht auf, denn die sollten ja nur die entgültige Fassung Kennen- und Fürchten lernen.

Was mir dann aber im Boxenbereich (bei den Offroadfahrern) präsentiert wurde, ließ mir die Augen übergehen: Nicht nur, dass es einen abgesperrten Bereich für jedes Team gab, die komplette Anlage war überdacht (zumindest an den meisten Stellen – es gab so eins, zwei Boxen, wo obendrüber ein paar „Ziegel“ vom Dach fehlten).

Ich drückte mich dann auch erst mal ausgiebig unter den Dächern herum, zum Einen, weil der Regen immer schlimmer wurde, zum Anderen, um schon einmal die Teams in Augenschein zu nehmen, solange die noch sauber waren.

Schon lustig, so viele „alte“ Bekannte zu treffen, aber wie soll es auch anders sein bei rund 400 Offroadverrückten (zu denen ich mich auch zähle). Allerdings – für das nächste Mal muss ich mir unbedingt einen eigenen Teamnamen einfallen lassen, dazu das passende Logo und Emblem und entsprechend T-Shirts, Kappen, Jacken und Fahnen produzieren. In normaler Bekleidung wirkte man doch irgendwie nackt, denn von den O.C.B.-Schlammpen bis zum Wombat-Racing-Team waren Fahrer und Helfer meist schon an der gemeinsamen „Uniform“ zu erkennen.

Doch der Regen konnte nicht verhindern, dass es dann doch ernst werden wurde: kein Zweifel – Aufruf zur Startaufstellung – und die Meisten starteten auch. Einige Teams ließen sich da allerdings auch etwas mehr Zeit und kickten sich erst einmal die Seele aus dem Leib.

Die Startnummer 43, das „Motul Deutschland Dunlop Team“ aus der Sportfahrer-Klasse war allerdings gleich ganz vorne zu finden: Mit den Fahrern Jens Pester, Mike Fiedler, Marko Ott und Frank Hermsdorf-Gatzsch lag man bereits nach zwei Runden auf dem fünften Geamt-Platz, gleichauf mit den Werksteams, ohne dass man bis dahin die Vorteile der vier Motorräder hätte in die Waagschale werfen können. Allerdings sind die vier Sachsen in Sachen Endurosport auch alles gestandene Männer, die auch schon mal auf DM-Niveau fahren, bzw. gefahren sind.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass es regnete? – nach zwei Stunden fing es mir an gewaltig auf den Keks zu gehen – aber da war die Hälfte der Fahrer ja nicht einmal am Start gewesen und fieberte noch darauf die Strecke kennen zu lernen. Solange es hell war, sollten möglichst viele Meter gemacht werden – was im Verlauf der Dunkelheit passieren würde, wusste eigentlich Niemand so genau. Außer vielleicht im Team Heck-Motorsport Motul Team. Da waren die Aufgaben klar verteilt, denn der Mann mit dem Cross-Motorrad sollte für schnelle Rundenzeiten sorgen – Wenn es Dunkel würde, könnte er sich Schlafen legen. Die Taktik ging auf, denn innerhalb kürzester Zeit war das Team auf dem zweiten Platz in der Sportklasse – Rang 5 im direkten Vergleich mit allen Fahrern der Prestige-Klasse.

Nun haben die Sport-Fahrer aber einen großen Vorteil gegenüber den Prestige-Piloten: Beim Fahrerwechsel brauchte nur der Transponder übergeben zu werden: Tanken und Saubermachen des Motorrades konnte erledigt werden, während das andere Motorrad bereits die nächsten Runden drehte – in der Prestige-Klasse mit nur einem Motorrad statt mit vier, mussten alle Service-Arbeiten während der Fahrzeit erledigt werden. Deshalb hatten am Ende die Sportfahrer auch insgesamt mehr Runden als die Teams Prestige-Klasse zurückgelegt. Beide Wertungen sind deshalb nicht vergleichbar.

Es wurde später, es wurde dunkler und Teamchef Jens Uwe Heck schlug sein Quartier direkt vor dem Bildschirm der Zeitnahme auf, um jederzeit über die Plazierung seines Teams informiert zu sein. Dabei war er so angezogen, dass er jederzeit selbst hätte auf eines der Motorräder springen können – wahrscheinlich hat der „Oldie“ (schließlich fährt er ja beim GCC in der Senioren-Klasse) aber keine anderen Anziehsachen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurden aber die rund 100 Teams zu einer Anhäufung von Einzelschicksalen. All das Niederzuschreiben, was in 24 Stunden passieren kann, dazu reicht wahrscheinlich auch das Internet nicht: Deshalb kann dies hier nur ein kleiner Ausschnitt dessen sein, was ich selbst während der folgenden Stunden miterlebt habe - wobei ich selbst um 1/2 5 Uhr die Waffen streckte und die Augenlieder von Innen betrachtete. Während die Top 5 oder Top 10 immer noch mit einem Auge auf die Konkurrenz schielten, ging es für die Meisten nur noch ums nackte Überleben, auch wenn zunächst die Stimmung allenthalben noch gut war: Draußen gab es Schlamm satt, denn die Strecke hatte zwar Anfangs viel weggesteckt, der Dauerbelastung von Regen und Motorrädern war sie aber irgendwann dann doch nicht mehr gewachsen und brach langsam zusammen. Es fuhren sich Spurrillen raus, die immer tiefer wurden, und wer die falsche Spur wählte, dessen Probleme mündeten im grundlosen Morast. Wie aber die richtige Spur erkennen, wenn es Dunkel ist und alle Rinnen irgendwie gleich aussehen?

Unser ungeteilter Respekt gilt Allen, die in dieser Nacht, im strömenden Regen immer noch unterwegs waren. Doch es wurden immer Weniger: In den Boxen ragten allenthalben die Cross-Stiefel unter Decken hervor, aus Transportern heraus – daran hängend noch irgendein Fahrer, der nicht einmal mehr die Lust und Kraft hatte, sich der Stiefel zu entledigen, bevor er sich dem Schlaf hingab.

In der Nacht gab es verschiedene Taktiken: So hatte das Schnecken-Damenteam beschlossen, dass je zwei Frauen sich in der Dunkelheit die Arbeit teilen: halbe Stunde fahren, halbe Stunde Pause. Währendessen konnten sich die Anderen sechs Stunden am Stück ausruhen. Was aber nicht klappte, schon lange vor der verabredeten Zeit standen die beiden in voller Montur wieder „Gewehr bei Fuß“ und übernahmen den Lenker. Mitten in der Nacht war es dann so, dass die halbe Stunde nicht einmal für zwei Runden ausgereicht hätte – also wurde eine Runde gefahren, und dann gewechselt – Doch die Taktik ging auf: Platz 30 für das reine Damenteam zeigt, dass die Frauen durchaus das Potential haben sich bei solchen Ausdauerwettbewerben gegen die Männer zu behaupten.

Es werde LichtDoch im Prinzip stand und fiel die Moral mit der Boxencrew: Noch heute schwärmen die Mitglieder derOffroadforen-Community  vom perfekten Catering der „Mutter der Nation“, die die Fahrer über die Nacht gerettet hat. Allemal besser als in dem Team, wo der Fahrer an die Boxen kam und Niemanden mehr vorfand: Fahrerkollegen und Betreuer hatten es vorgezogen, sich schon mal ins Bett zu verkrümeln. Dem hatten sich aber einige Team angeschlossen und so wurde es ab 3:00 Uhr in der Nacht ziemlich ruhig auf der Strecke.

Und in dieser Situation kämpfte sich Michael Ott-Eulberg ganz alleine durch die 24 Stunden. Der Extrem-Fahrer wollte es vor seinem 50. Geburtstag einfach noch mal wissen, nachdem er im letzten Jahr mit den Freunden im Team auf der BMW gefahren war: „Bei den Rallyes in Afrika sitzt man auch schon mal länger im Sattel,“ wusste er aus Erfahrung zu berichten. Nachdem er ganz spät in der Nacht seine KTM festgefahren hatte, brauchte er für die Runde eineinhalb Stunden statt der sonst üblichen 20 Minuten – völlig am Ende der Kräfte schleppte er sich in die Box, wo er für rund drei Stunden in den Schlaf fiel. Doch am Morgen, als es hell wurde, wurde auch er wieder wach und machte weiter! Fuhr insgesamt 37 Runden und auf den supergenialen 81. Platz(bei 91 Teams)!!

Doch auch seine ehemaligen Teamkollegen hatten es nicht einfach: Auf den BMWs wurde es in den tiefen Spurrillen nicht wirklich einfach. Aber dem Kupplungstod konnte man durch „Auswechseln“ der Maschinen entgehen – der Vorteil in der Sport-Klasse. Für Einen war es ganz wichtig, dass sein Motorrad heil blieb: Jens Behling aus der Nähe von München war mit seiner BMW zunächst rund 500 km angereist, hatte vor Ort die Offroad-Räder angesteckt, war die 24-Stunden gefahren, hatte anschließend die Räder wieder umgesteckt und sich auf den Heimweg gemacht!

Das es nicht immer akutelle Sportmotorräder braucht um Mitfahren zu können, bewiesen die Fahrer vom Team EiLuYa Immergrün: die brachten am Ende immer noch zwei der drei XT 350 ins Ziel. Darunter das älteste Motorrad dieses Wettbewerbs, nämlich die Yamaha mit dem Baujahr 1985! „Wir haben aber unser Ziel erreicht,“ meinten die Jungs anschließend. „Wir sind nicht Letzter geworden.“

Besonderes Pech hatten die Mitarbeiter von Baboons. Jens Zimmermann hatte sein Team „Blue man group“ schließlich aufgeben müssen – er kümmerte sich in der Nacht um die Strecke und Organisation: „Wir standen schon kurz davor den Wettbewerb abzubrechen und kämpften ähnlich wie die Fahrer gegen den Regen und den Schlamm.“

Kurz vor dem Aufhören stand auch Baboons-Mitarbeiterin Martina, die sonst das Büro in Weißenburg schmeißt. Die war gleich bei ihrem ersten Turn für die O.C.B.-Schlammpen (was ein passender Name, woher die wohl vorher gewusst hatten, wie die Strecke wird) regelrecht abgeschossen worden: „Auf dem Asphaltstück musste ein anderer Teilnehmer viel zu schnell und viel zu dicht an mir vorbei und ist an meinem Lenker hängen geblieben. Doch der Trost des Teams war ihr ebenso gewiss, wie der technische Service und so konnte sie später wieder auf das Motorrad steigen.

Fazit:
Größter Respekt vor Allen, die angetreten sind und gekämpft haben: Die Verhältnisse waren definitiv so, dass es eigentlich nicht zu schaffen war. Das Finisher-T-Shirt gebührte deshalb jedem Fahrer, selbst wenn er aus technischen Gründen vorzeitig die Waffen strecken musste.

Auf der anderen Seite auch Dauerstreß beim Veranstalter und der Zeitnahme, dort musste nämlich auch 24-Stunden ohne Pause durchgemacht werden. Unter anderem gingen auch 40! Transponder der Teilnehmer verloren – die wurden bei der Übergabe offensichtlich nicht wieder richtig fest gemacht. In der Nacht wurden dann schon die schlimmsten Umleitungen gesteckt – was die Fahrer aber gar nicht gemerkt hatten, weil der Scheinwerfer immer nur eine Spurrille vor dem Vorderrad zeigte. Im Hellen dann noch mehr Umbauten und eine zum Nachmittag langsam abtrocknende Strecke.

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